Lichtwellenleiter
zum Messen, Steuern und Regeln?
Wenn elektromagnetische Störsicherheit, galvanische
Trennung oder hohe Übertragungsgeschwindigkeit und -distanz gefordert
sind, ist die optische Datenübertragung über Lichtwellenleiter der
herkömmlichen Kupferverbindung in allen Bereichen überlegen.
Es gibt allerdings noch viele
andere Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehören die Lichtwellenleiter
als Sensoren für Spannungen in Bauwerken (Brücken, Staudämmen),
Sensoren in der Chemie (direkter Kontakt der Faser mit der Substanz)
oder die Glasfaser als Lichtleiter in der Spektroskopie (Durchleuchten
der Substanz). Sie können mit Metall beschichtet werden, um Temperaturen
bis 700°C standzuhalten, oder dienen als Lichtleiter zum Transport
von starken Laserblitzen in der Medizin und Umwelttechnik.
Die Vielfalt der Anwendungen
wächst täglich und – wer weiß – vielleicht fällt Ihnen bei
der Lektüre dieses Artikels eine weitere neue Anwendung ein.
Lichtwellenleiter sind elektrische
Isolatoren, die bei geringem Kabelgewicht problemlos installiert
werden können. Es muß hier, anders als bei den meisten Kupferkabel,
auf die Zugkraft und den Biegeradius geachtet werden. Durch zu
enge Biegeradien (Ziehen um eine scharfe Kante, verdrilltes Kabel
) kann die Glasfaser brechen. Meist sind Lichtwellenleiter mit
einer Zugentlastung aus Aramidfaser und einem Mantel versehen;
dies schützt im Inhouse-Bereich. Für Aussenanwendungen wird oft
zusätzlich ein Nagetierschutz aus Glasgarn, Kunststoff (Nylon)
oder Metall vorgesehen.
Für die Datenübertragung wird
das elektrische Signal durch elektrooptische Wandler in ein optisches
Signal (Licht) gewandelt und über Sendebausteine in den Lichtwellenleiter
eingekoppelt. Durch Reflektion im Lichtwellenleiter gelangt das
optische Signal an den Empfangsort und wird dort von elektrooptischen
Wandlern in ein elektrisches Signal zurückverwandelt.
Vorteile der LWL-Technik
Entfernung
Lichtwellenleiter arbeiten zuverlässig bis zu
3 km (Kupferkaben nur bis etwa 90 m), mit speziellen Fasern sind
Abstände bis zu 600 km ohne Verstärkung überbrückbar.
Störungen
Lichtwellenleiter lassen sich nicht durch elektomagnetische Felder
beeinflussen. Sie fangen keine Spannungsspitzen ein und stören selbst
nicht die Umgebung.
Beispiel für eine kritische Anwendung: die Messdaten-Übermittlung
in KFZ Werkstätten. Hier werden oft während der Messung am laufenden
Explosionsmotor die ermittelten Messdaten quer durch die Werkstatt
zu einem Auswerteraum übermittelt. Bei Verwendung von Kupferkabeln
würden die Mess-Signale durch den Störhintergrund der Werkstatt
(Spannungsspitzen durch den Betrieb anderer Motore, Schweisstrafos
etc.) überlagert.
Potenzialtrennung
Lichtwellenleiter sind Isolatoren. Erdschleifen müssen nicht beseitigt
werden, weil sie nicht entstehen können. Während unterschiedliches
Erdpotential beim Verbinden verschiedener Häuser oder Stockwerke
selbst bei etwas aufwendigeren elektrischen Kabeln (z.B. shielded
Twisted Pair beidseitig geerdet) leicht zu Störungen führen kann,
sind derartige Probleme bei Lichtwellenleitern völlig ausgeschlossen.
Überspannungsschutz
Ob durch Überspannung im Netz oder Blitzschlag in ein Datenkabel,
das Kabel bleibt betriebsbereit. LWL-Netze zeichnen sich durch rauschfreie,
verzerrungsfreie und störungsfreie Übertragung aus.
Ex-Schutz
Bei Trennung oder Kabelbruch ist keine Funkenbildung zu befürchten.
Selbst die Steckerkonfektion wird ohne Strom vorgenommen. Wichtig
ist dies z.B. bei der Füllstandkontrolle oder dem Prüfen der Zusammensetzung
von Gasen oder Flüssigkeiten in Chemischen Betrieben.
Größe
LWL besitzen kleine Durchmesser und geringes Gewicht. Daraus resultieren
kleine Wanddurchbrüche und kleine Kabellasten für abgehängte Decken.
Verlegung
Während der Installation sollte der Biegeradius das 10fache des
Kabeldurchmessers nicht unterschreiten, für den Dauerbetrieb setzt
man als unteren Grenzwert das 20-50fache des Kabeldurchmessers an.
Da LWL-Kabel bei gleicher Übertragungsleistung
wesentlich dünner sein könne als Kupferkabel, fällt diese Einschränkung
selten ins Gewicht. Durch ihr geringes Gewicht lassen sich LWL-Kabel
hervorragend in der personalsparenden „Einblastechnik" verlegen.
Dabei müssen die Kabel nicht mehr in Kabelkanäle gelegt werden,
sondern werden in einem Bruchteil der Zeit in Rohre eingeblasen.
Zukunftssicher
LWL Netze arbeiten protokolltransparent. Bereits installierte Ethernet
Segmente können problemlos durch Einsatz einer anderen Elektronik
auf Übertragungsprotokolle mit höherer Geschwindigkeit umgerüstet
werden. Die Verkabelung bleibt dabei unverändert, z.B. Änderung
von Ethernet auf ATM. Die Stecker (Sende- und Empfangsteile) müssen
eventuell geändert werden, das LWL-Kabel bleibt.
Stecker in der Glasfasertechnik
Das Anklemmen bzw. Abklemmen von LWL geschieht
anders als bei Kupferkabeln. Eine Faserverbindung mittels Lüsterklemme
oder in Schneidklemmtechnik ist nicht möglich.
Auch eine Vampyrklemme ist nicht einsetzbar.
Zur Kontrolle der Faserendfläche benötigt man ein Mikroskop mit
200 oder 400 facher Vergrößerung.
Eine Faser wird üblicherweise mit Steckern abgeschlossen.
Diese Stecker können bei Kunststoff-fasern durch Klemmen befestigt
werden. Für die meisten Glasfasern ist jedoch Einkleben die bessere
Lösung. Systeme bei denen die Glasfaser sauber gebrochen und ohne
weitere Bearbeitung in einen Stecker eingesteckt wird, benutzen
häufig ein sogenanntes "Indexgel": eine Masse, die den Sprung im
Brechungsindex auf dem Weg von einer Faser zur anderen Faser verringert.
Alternativ wird die anzuschliessende Faser mit einem ca. 2 m langes
LWL-Kabel mit Stecker (sog. „Pigtail") thermisch verbunden („gespleisst").
Ein Spleiß wird immer dann eingesetzt, wenn die Stecker eine Montage
auf der Baustelle nicht zulassen, z.B. E2000 APC, DIN APC...Eine
Übersicht über derartige LWL Stecker finden Sie im Internet z.B.
unter www.fiber-optics.de.
LWL-Fasern für die Multimodetechnik (niedrigere
Anforderungen) besitzen meist einen Durchmesser von 50/125 µm oder
62,5/125 µm. Dabei bedeutet die erste Zahl (50) den Durchmesser
der Faser in der das Licht geführt wird, während die zweite Zahl
(125) den Durchmesser der gesamten Glasfaser angibt. In der Singlemodetechnik
(höhere Anforderungen) werden Fasern von 8-10/125 µm eingesetzt.
In jedem Fall muß das Ende der Glasfaser eine
saubere Endfläche aufweisen, die präzise gebrochen oder poliert
ist. Eine schlecht gebrochene Faser streut das Licht erheblich und
führt dadurch zu Verlusten, die einen Betrieb unmöglich machen.
Steckertypen
In der Meßtechik werden heute noch FSMA Stecker
eingesetzt, die in der Datentechnik bereits durch eine modernere (die
3.) Steckergeneration abgelöst werden. FSMA Stecker können eine integrierte
Dichtung aufweisen und sind wegen ihres Gewindes durch eine Kontermutter
zu sichern.
Die Datentechnik setzt mittlerweile verstärkt
Stecker mit bis zu 12 Fasern ein (MP) oder benutzt Stecker, die
eine wesentlich kleinere Bauform (LC, MU) und präzisere Steckung
ermöglichen. Die Packungsdichte ist dadurch gegenüber SMA Steckern
bis zum 12fachen angestiegen.
Wichtig ist der Schutz des Steckers vor Verschmutzung,
da ein plattgedrücktes Staubkorn im Extremfall die Verbindung abschneidet.
Aber auch dort wo sich An- und Abstecken unter
widrigen Bedingungen kaum vermeiden läßt (Bergbau, Videoübertragung
von Rennveranstaltungen, Open Air-Konzerten etc.) sind Glasfaserlösungen
möglich. Dabei wird das Licht durch eine Linse aufgeweitet und ein
eventl. vorhandenes Schmutzpartikel auf der Linse führt nicht zum
Ausfall der Verbindung.
Diese Stecker haben manchmal neben mehreren
Glasfasern auch elektrische Kontakte. So sind alle Verbindungen
mit einer Steckung herzustellen. Bei Live-Veranstaltungen müssen
häufig mehrere Kabel hintereinander geschlossen werden und so werden
an Kabel und Stecker hohe Ansprüche an Abrieb, Trittfestigkeit,
Temperaturverhalten usw. gestellt.
Die Abzweigung einer Faser in der Mitte einer
Strecke ist technisch machbar, auch wenn in den meisten Fällen die
Verlegung eines neuen Kabels wirtschaftlicher ist. Durch neue Techniken
ist es jetzt möglich ein Kabel zwischen 2 Punkten so zu trennen,
daß ungenutzte Fasern für eine Abzweigung benutzt werden können.
Der Einsatz von Kopplern ermöglicht den Anschluß von mehreren Fasern
an eine Faser. Physikalisch bedingt dämpfen Koppler das Signal.
Ihre Anwendung ist deshalb technisch nicht immer möglich (ganz abgesehen
von den höheren Kosten).
Kunststoff-Faser
In der Meßwerterfassung sind die Datenraten meist
nicht sehr hoch und so werden dort oft Kunststofflichtwellenleiter
(KWL) eingesetzt. Der Faser-Durchmesser beträgt hier ca 1mm. Die KWL
erlauben eine einfache Verlegung und die Konfektionierung der Fasern
ist deutlich einfacher als bei Glasfasern. Hier genügt bereits ein
scharfes Messer zum geraden Abschneiden der Faser, anschliessend wird
die Faser in den Stecker mit integriertem optisch/elektrischem Umsetzer
gesteckt.
Beim Profibus und einigen anderen Bussystemen
werden KWL und Glasfasern auch für Steuer- und Regelungsaufgaben
eingesetzt.
Auch die Tontechnik bemüht seit einigen Jahren
KWL in ihren Studios. Die optischen Schnittstellen finden so Eingang
in „normale" Musikanlagen, bei denen Musik vom Digitalrecorder rauschfrei
zum Verstärker geschickt wird.
Quarzglasfaser
In der Spektroskopie werden zunehmen weniger
Küvetten zum Spektroskop gebracht. Heute überwacht ein Spektroskop
sehr viele verschiedene Substanzen direkt am Ort der Erzeugung oder
Verarbeitung. Dazu werden hochreine Quarzglasfasern mit 100/200/400/600
oder sogar 1000µm Durchmesser benutzt.
Messung und Fehlersuche
Zur Prüfung von LWL Verbindungen wird die Dämpfung
eines Signals auf der Messstrecke gemessen. Benötigt werden ein
Sender und ein Empfänger. Das Ergebnis der Messung ist die Dämpfung,
die das Signal durch alle Stecker, Spleiße, Fasern bis zum Empfänger
erfährt. Die Ursache für eine zu starke Dämpfung kann allerdings
mit dieser Methode meist nicht gefunden werden.
Erst mit Hilfe eines OTDR-Messgeräts lassen
sich Knicke in Kabel, Kabelbruch und defekte Stecker lokalisieren.
Ein solches OTDR ( Optical Time Domain Reflektometer) sendet einen
Lichtimpuls aus, der von jeder kleinen Inhomogenität und jedem Stecker
und Spleiß reflektiert wird. Aus den Laufzeiten der reflektierten
Signale lässt sich die Reflexionsstelle mit hoher Ortsauflösung
ermitteln.
Eine Neuinstallation wird meist mit OTDR Protokollen
abgeschlossen um die korrekte Übergabe zu dokumentieren. Für die
fachgerechte Messung der verlegten Fasern werden sogenannte Vor-
und Nachlauffasern benötigt. Die Vorschaltfaser der Firma Fiber-Optics
entstand aus der Praxis heraus. Das sieht man ihr an, denn im Detail
fallen die gut durchdachten Eigenschaften auf:
- farblich gekennzeichnete Fasern gelb = 9/125
µm,
grün=50/125 µm, blau=62,5/125 µm - leicht und klein
- Zugentlastung und Knickschutz durch PG Verschraubung
- Spezialschlauch zum Schutz vor Druck und Knick der
Messenden
- Platz für Meßkupplung und Reinigungstücher
- mit Klettband am OTDR bzw. im Systemkoffer zu befestigen - Steckeranschluß
nach Kundenwunsch
Planung für die Installation von Lichtwellenleitern
Zur Planung eines Übertragungssystems mit Lichtwellenleitern
muß man sich in erster Linie Gedanken um die zu übertragenden Daten
machen. Im Bereich bis 100 m Überbrückungsdistanz bietet sich bei
geringen Datenmengen der Einsatz der preiswerten 1 mm Kunststoff-Faser
an. Bei Entfernungen bis zu 3 km werden Multimode-Glasfasern verwendet.
Bei größeren Entfernungen und / oder höheren Datenraten kommen Monomode-Glasfasern
zur Anwendung.
Dipl.-Ing. Rudolf Herres ist Inhaber der Firma
Fiber-Optics Rudolf Herres in Mönchengladbach.
Seit über 10 Jahren entwickelt, produziert und
vertreibt er Lichtwellenleitertechnik: solide Planung, saubere Konfektionierung
und verlässliche Messung. Daneben führt er Schulungen für LWL-Einsteiger
durch.
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